Um elf Uhr standen zwölf nasse Tische auf dem Dorfplatz. Resi hielt die Liste der Helfer unter ihre Jacke und schaute zum Himmel. Gestern hatte sie noch gestritten, ob die Kuchen im Schatten stehen müssten. Heute wäre sie froh gewesen, überhaupt einen trockenen Platz dafür zu haben.
Der Feuerwehrkommandant kam mit dem Schlüssel zum kleinen Saal. Vier Tische passten hinein, sagte er, vielleicht fünf, wenn niemand mehr zur Tür hinauswolle. Resi sah auf ihre Liste. Dann faltete sie das Papier zusammen. „Vier reichen. Die anderen stellen wir unter das Vordach.“ Binnen einer halben Stunde trugen Leute Bänke, Kaffeekannen und Kuchenplatten über den Platz.
Die Musikanten fanden ihre Ecke neben dem Schrank mit den Pokalen. Der Bass stand halb vor einem gerahmten Gruppenfoto. Resi wollte noch einen Tisch verschieben, doch da begann die erste Polka. Ohne Mikrofone klang der kleine Saal auf einmal erstaunlich voll. Im Gang blieb eine Frau mit einer Torte stehen und wippte mit dem Fuß, bis jemand ihr die Platte abnahm.
Zum Tanzen war eigentlich kein Platz. Eigentlich, fand Resis Nachbar, sei ohnehin das Wort des Tages. Er schob zwei Stühle an die Wand. Ein Paar begann, ein zweites rückte nach. Wer Kaffee holen wollte, wartete kurz, bis die Tanzenden vorbeikamen. An der Tür hielt ein Bub mit großem Ernst die Kuchengabeln bereit, als gehörte auch das zum Takt.
Resi setzte sich zum ersten Mal, als draußen der Regen nachließ. Neben ihr landete ein Teller mit dem letzten Stück Marillenkuchen. Sie wusste nicht einmal, wer ihn hingestellt hatte. Auf ihrer Helferliste standen acht Namen. Heute hatten mindestens zwanzig Menschen mit angepackt, darunter einige, die sie bisher nur vom Grüßen kannte.
Am Abend trugen sie die trockenen Tische wieder hinaus. Der Kommandant fragte, ob sie für nächstes Jahr gleich den großen Saal reservieren sollten. Resi überlegte. „Als Ersatz, ja.“ Dann zeigte sie auf die vier Tische. „Aber die da stellen wir wieder zusammen. Da hat man wenigstens mit allen reden können.“




