Florian hatte die Harmonika nur zum Abholen bereitgestellt. Dann bat sein Vater um eine einzige Polka.
Eine Berggeschichte · ca. 2 Minuten Lesezeit
Der Koffer stand schon neben der Haustür. Florian hatte die Harmonika am Vorabend aus dem Schrank geholt, den Staub abgewischt und die Riemen geprüft. Seine Nichte wollte spielen lernen. Dafür war das Instrument zu schade, um bei ihm noch länger zwischen Winterjacken und Wanderschuhen zu stehen.
Sein Vater kam eine halbe Stunde zu früh. Er stellte den mitgebrachten Kuchen auf den Küchentisch und blieb vor dem offenen Koffer stehen. „Die schaut ja noch aus wie damals.“ Florian strich über eine abgewetzte Ecke. „Fast. Da bin ich beim Heimgehen einmal an der Gartentür hängen geblieben.“ – „Einmal?“ Sein Vater zog einen Sessel heraus.
Florian wollte gerade Kaffee aufsetzen, als die Bitte kam. „Spiel mir noch die eine. Die du früher immer gespielt hast.“ Er schüttelte den Kopf. Seit Jahren hatte er keine Polka mehr zusammengebracht. Aber sein Vater saß bereits so erwartungsvoll da, dass Florian die Riemen über die Schultern zog. Nur den Anfang, sagte er. Den wusste er noch.
Nach ein paar Takten geriet seine linke Hand durcheinander. Er brach ab, probierte es langsamer und fand wieder hinein. Gegenüber begann ein Hausschuh zu wippen. Sein Vater legte die Hände um die noch leere Kaffeetasse und hörte zu. Als Florian erneut stockte, summte er die fehlende Stelle. Diesmal spielte Florian weiter.
Die Nichte hörte die Musik schon vor der Tür. Sie kam mit ihrer Mutter herein und setzte sich neben den Großvater. Niemand sagte etwas, bis das Stück zu Ende war. Dann deutete sie auf die Knöpfe. „Zeigst du mir, wie das geht?“ Florian rückte den Sessel zurecht. „Setz dich her. Zuerst müssen wir die Riemen kürzer machen.“
Der Kaffee wurde eine Stunde später gekocht. Auf dem Kalender neben dem Kühlschrank stand inzwischen ein neuer Eintrag: Donnerstag, vier Uhr, Harmonikastunde. Den Koffer nahm die Nichte mit. Florian behielt den Kuchen. Und für nächsten Donnerstag wollte er sich auch die zweite Hälfte der Polka wieder ordentlich anschauen.
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