Benedikt wollte lässig grüßen. Dann flog sein Hut in den Bach – und Klara hatte endlich einen Grund, stehen zu bleiben.
Eine Berggeschichte · ca. 2 Minuten Lesezeit
Seit drei Sonntagen begegnete Benedikt der Frau im blauen Dirndl auf dem Weg zum Dorf. Seit drei Sonntagen brachte er genau ein „Griaß di“ heraus. Heute sollte das anders werden. Er lehnte am Brückengeländer, hörte ihre Schritte und hob mit einer schwungvollen Bewegung den Hut. Eine Windböe erledigte den Rest.
Der Hut landete mitten im Bach. Klara blieb stehen. Erst sah sie dem grünen Filz hinterher, dann ihm. „Machst du das bei jeder?“ Benedikt kletterte bereits die Böschung hinunter. „Nur bei denen, die mir besonders gefallen.“ Dass er das tatsächlich gesagt hatte, merkte er erst, als sie lachte.
Er kam nicht weit. Der erste Stein wackelte, der zweite war glitschig, und im linken Schuh stand sofort Wasser. Klara nahm einen langen Ast vom Ufer. „Wart. Bevor ich dich auch noch herausziehen muss.“ Mit ausgestrecktem Arm fing sie die Hutkrempe, zog sie vorsichtig ans Gras und hob das tropfende Stück hoch. Die Feder hing traurig zur Seite.
Benedikt nahm den Hut entgegen. „Jetzt schulde ich dir wohl einen Kaffee.“ – „Für den Hut?“ Sie betrachtete seinen nassen Schuh. „Mindestens einen Kaffee und ein Stück Kuchen.“ Er nickte, ein wenig zu schnell. Auf dem Weg zum Wirt machte jeder zweite Schritt ein schmatzendes Geräusch. Klara tat höflich so, als hörte sie es nicht. Das hielt sie ungefähr zehn Meter durch.
Beim Kaffee lag der Hut auf einem freien Stuhl in der Sonne. Als Klara später aufstand, schrieb sie ihre Nummer auf den Kassenzettel. „Nächsten Sonntag kannst mich einfach anrufen.“ Benedikt steckte den Zettel sorgfältig ein. Diesmal in die Brusttasche. Weit genug weg vom Wasser.
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