Für die alte Bank vor dem Haus hatte Lorenz längst Ersatz bestellt. Seine Tochter wollte wissen, warum dann noch niemand darauf sitzen durfte.
Eine erfundene Berggeschichte · ca. 2 Minuten Lesezeit
Die neue Bank sollte am Montag kommen. Massives Holz, breite Lehne, fertig geölt. Lorenz hatte sie im Tal bestellt, nachdem die alte beim Hinsetzen bedenklich geknarrt hatte. Jetzt stand er mit einem Schraubenschlüssel vor dem Haus und betrachtete die schiefen Beine. Seine Tochter Marie hielt die Schachtel mit den Schrauben.
„Kommt die weg?“ Sie strich mit dem Finger über zwei Buchstaben in der Lehne. Ein L und ein R, ziemlich unbeholfen ins Holz geritzt. Lorenz nickte. „Die hat ihre Zeit gehabt.“ – „Wer war das?“ Er nahm ihr die Schachtel ab. „Ich. Das R ist deine Mama. Die Buchstaben waren ihr damals ein bisschen zu groß.“
Marie setzte sich auf die niedrige Mauer neben der Bank. Sie wollte wissen, ob ihre Mutter geschimpft hatte. Lorenz lachte. Nicht wegen der Buchstaben. Wegen des Messers, das er dafür aus der Küche genommen hatte. Anschließend hatten sie beide eine halbe Stunde lang nach dem Schleifstein gesucht. Vom versprochenen Sonnenuntergang hatten sie nicht viel mitbekommen.
Er drehte die Bank vorsichtig auf die Seite. Das linke Bein war locker, aber das Holz darunter fest. Zwei Schrauben fehlten ganz. Lorenz sah in Maries Schachtel, suchte die passenden heraus und setzte an. Sie hielt das Bein gerade. Nach der dritten Schraube stellte er die Bank wieder auf die Füße. Nichts wackelte.
Als Rita mit den Einkäufen vom Tal heraufkam, saßen die beiden bereits darauf. Zwischen ihnen lag Schleifpapier. „Die neue Bank kommt trotzdem“, sagte Lorenz gleich. „Die stellen wir auf die andere Seite vom Haus.“ Rita stellte ihre Tasche ab und fuhr über das alte R. „Gut. Dann haben wir endlich auch im Schatten einen Platz.“
Marie rückte zur Seite. Zu dritt saßen sie ein wenig eng, aber das kannten ihre Eltern noch von früher, als der Hund unbedingt mit auf die Bank gewollt hatte. Unten im Tal gingen die ersten Lichter an. Lorenz spürte mit der Hand noch einmal unter die Sitzfläche. Fest. Das würde halten.
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