Sepp hatte beim Dorffest an alles gedacht: Tische, Lichter, Musik. Nur nicht an seinen zweiten Schuh.
Eine Berggeschichte · ca. 2 Minuten Lesezeit
Sepp hatte seit Mittag Bänke getragen, Kabel verlegt und dreimal dieselbe Lichterkette entwirrt. Kurz vor dem Fest war er heimgeeilt, um sich umzuziehen. Ein Anruf vom Wirt, eine verschwundene Verlängerung, noch schnell die Weste überwerfen – und schon stand er wieder auf dem Dorfplatz. Marlene sah zuerst auf sein Gesicht. Dann auf seine Füße.
Rechts ein geschnürter Bergschuh. Links der graue Filzpatschen, den er beim Umziehen angelassen hatte. „Du bist heut sehr vielseitig unterwegs“, sagte sie. Sepp folgte ihrem Blick. Einen Moment lang starrte er bloß nach unten. „Ich hol den anderen.“ Doch in diesem Augenblick setzte die Harmonika ein. Marlene hielt ihn am Westenknopf fest. „Das kann warten.“
Er kannte sie seit dem Frühjahr, seit sie den kleinen Blumenladen am Platz übernommen hatte. Für sie hatte er das wacklige Regal befestigt. Sie hatte ihm dafür einen Strauß geschenkt, den er ziemlich ratlos in einen Bierkrug gestellt hatte. Zum Tanzen gefragt hatte er sie bisher nicht. Nun zog sie ihn mitten zwischen die Paare.
Beim ersten Dreher quietschte der Bergschuh, während der Patschen ganz leise über den Boden glitt. Marlene musste so lachen, dass sie den Takt verlor. „Du bringst mich durcheinander.“ – „Ich? Du hast mich doch hierhergezogen.“ Sie fanden wieder hinein, zwei Schritte, eine Drehung. Sepp achtete bald mehr auf ihre Hand in seiner als auf seine Füße.
Sein Bruder kam mit dem fehlenden Schuh über den Platz und hielt ihn hoch wie einen Pokal. Sepp wollte schon stehen bleiben. Marlene schüttelte den Kopf. „Erst wenn die Musik aufhört.“ Der Schuh wartete auf einer Bank. Daneben lag später ein kleiner gelber Blumenstrauß. Diesmal wusste Sepp genau, wem er ihn geben wollte.
Ein Flirt beim Hüttenabend. Ein Tanz, aus dem Liebe wurde. Oder ein Mensch, mit dem du heute noch gern auf derselben Bank sitzen würdest.
Welche Erinnerung verbindest du mit den Bergen, der Liebe oder einem besonderen Lied? Erzähl sie uns. Ein paar ehrliche Zeilen reichen – du musst kein Schriftsteller sein.
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