Klara hatte auf der ganzen Fahrt gesungen. Erst zum Radio, dann ohne Radio, weil ihr Großvater die Abzweigung gesucht hatte. Am Parkplatz verstummte sie. Zwei Wanderer zogen neben ihnen ihre Schuhe an. „Jetzt ist wohl Pause“, sagte der Großvater. Klara tat so, als müsse sie dringend die Schnürsenkel prüfen.
Sie gingen den breiten Weg zur Alm hinauf. Klara war zwölf und fand, dass ihr Großvater für alles zu lange brauchte: für den Rucksack, für die Trinkpause und besonders für Gespräche mit Leuten, die er angeblich nur flüchtig kannte. An der letzten Wegbiegung blieb er stehen und ließ einen kurzen Jodler hören. Von irgendwo weiter oben kam eine Antwort.
„Das war der Hannes“, sagte er zufrieden. Klara sah nur Wiesen, Felsen und ein Stück Hüttendach. Ob man sich so begrüßen müsse, fragte sie. „Müssen nicht.“ Er ging weiter. „Aber jetzt weiß er, dass der Kaffee bald gebraucht wird.“ Sie schüttelte den Kopf, doch bis zur Hütte probierte sie die Tonfolge leise vor sich hin.
Später saßen sie auf einer Bank oberhalb der Alm. Der Großvater holte ein Brot aus dem Rucksack. Klara fragte, ob er schon immer so laut gesungen habe. Er kaute erst fertig. Dann erzählte er vom Schulchor und davon, wie er einmal nur die Lippen bewegt hatte. Klara drehte sich zu ihm. Das hatte sie ihm nun wirklich nicht zugetraut.
Er sang die ersten Töne noch einmal, diesmal ganz leise. Klara setzte ein, kam durcheinander und brach lachend ab. Beim zweiten Versuch blieb er bei ihr. Es klang nicht wie im Radio, und die letzte Wendung geriet etwas schief. Aber als unten an der Hütte jemand den Arm hob, versteckte sie sich nicht hinter seinem Rucksack.
Auf dem Heimweg begegneten ihnen die beiden Wanderer vom Parkplatz. Klara grüßte, bevor ihr Großvater etwas sagen konnte. Im Auto fragte sie, ob Hannes nächsten Sonntag wieder auf der Alm sei. „Vermutlich.“ Sie sah aus dem Fenster. „Dann müssen wir ihm halt sagen, wenn wir kommen.“




